2013 bis 2020
Das Fundament
Meine berufliche Geschichte beginnt weit weg von Tastatur und Quelltext.
Sie beginnt hinter einer Ladentheke. Von 2013 bis 2020 habe ich in
Metzgereien und im Fleischverkauf gearbeitet, eine Ausbildung zum
Fachverkäufer abgeschlossen und war knapp sechs Jahre in dem Beruf tätig.
Diese Jahre haben mir mehr beigebracht, als mir damals klar war. Wer
täglich direkt mit Kunden arbeitet, lernt, sich verständlich auszudrücken,
unter Druck Lösungen zu finden und auf die Kleinigkeiten zu achten, die den
Unterschied machen. Das Grillcatering hat mir Projektarbeit beigebracht und
was Kundenzufriedenheit tatsächlich kostet. Und die Ausbildung selbst hat
mir gezeigt, dass ich ein Handwerk beherrschen kann, wenn ich mich darauf
einlasse.
Trotzdem hat mich Technik die ganze Zeit über nicht losgelassen. Ich habe
meine Freizeit mit Computern verbracht, mich in Linux eingearbeitet und
mich gefragt, wie es wäre, Software zu bauen statt sie nur zu benutzen.
2020 wusste ich, dass sich etwas ändern muss.
2020 bis 2022
Der Wechsel
Mit 25 habe ich eine der besten Entscheidungen meines Lebens getroffen: Ich
habe eine zweijährige Umschulung zum Fachinformatiker für Systemintegration
am IBB Institut für Berufliche Bildung begonnen. In einem völlig neuen Feld
wieder ganz vorne anzufangen, war eine Lektion in Demut, aber ich wollte
beweisen, dass ich es kann.
Die zwei Jahre hatten es in sich. Netzwerkgrundlagen, Systemadministration,
strukturierte Fehlersuche und der erste geordnete Kontakt mit dem
Programmieren. Vor allem aber habe ich in dieser Zeit gemerkt, dass ich
gefunden hatte, was ich machen wollte. Das Knobeln, das logische Denken,
die Zufriedenheit, wenn etwas läuft. Das hat einfach gepasst.
Zur Umschulung gehörte ein halbes Jahr Praxis. Shopware hat mir diese
Chance im Kundensupport gegeben. Im Juni 2022 habe ich meinen Abschluss
gemacht und direkt beim selben Unternehmen meine erste richtige Stelle in
der IT angetreten.
2022 bis 2025
Das Wachstum
Der Einstieg als Support Specialist im Juni 2022 war der Anfang von allem.
Meine Aufgabe war, Kunden bei technischen Problemen mit Shopware 5 und 6 zu
helfen, und ich habe alles aufgesogen, was ich über die Plattform lernen
konnte.
Im Support lernt man ein System wirklich kennen. Man sieht jeden Sonderfall,
jede ungewöhnliche Konfiguration, jede Art, wie etwas kaputtgehen kann, und
jede Art, es zu reparieren. Nach acht Monaten hatte ich mich so weit
bewährt, dass ich im Januar 2023 zum Support Expert befördert wurde, mit
einer Gehaltserhöhung, die das abbildete.
In den folgenden zwei Jahren war ich derjenige, an den man sich bei den
kniffligen Fällen gewandt hat. Ich habe mir tiefes Wissen über die
Architektur von Shopware 5 und 6 angeeignet, den Quelltext kennengelernt
und gute Beziehungen zu Kunden wie zu den Entwicklungsteams aufgebaut.
Eine Sache ging mir dabei nicht aus dem Kopf: Wir verbrachten alle viel Zeit damit,
Testumgebungen aufzusetzen. Also habe ich etwas gebaut, das es einfacher macht, ein
Self-Service-Portal zum Selbsterzeugen. So entstand Shopware Build, nicht als Auftrag, sondern als
etwas, von dem ich fand, dass es existieren müsste.
Das Tool war so brauchbar, dass andere Teams nach Zugang fragten. Aus
meiner Lösung für ein Supportproblem wurde nach und nach etwas, das in der
ganzen Organisation genutzt wurde, bis klar war: Das ist kein hilfreiches
Nebenprojekt mehr, sondern Infrastruktur, die eigene Aufmerksamkeit
verdient.
2025 bis heute
Die Gegenwart
Im Juni 2025 war Shopware Build so weit gewachsen, dass es eigene
Entwicklungskapazität brauchte. Ich bin offiziell als Software Engineer ins Shopware-Portals-Team gewechselt, das sich
um unsere Plattformen für Entwicklerinnen und Entwickler kümmert.
Ich arbeite mit C# und .NET an den Backend-Diensten, mit Blazor an der
Oberfläche und betreue die Linux-Infrastruktur samt Cluster darunter. Über den internen Einsatz hinaus unterstützt die Plattform die Ausbildung: Schulen und
Hochschulen können E-Commerce an einem echten System unterrichten statt an einem
vereinfachten Beispiel.
Im Januar 2026 wurde diese Arbeit mit der Beförderung zum Senior Software
Engineer anerkannt. Für jemanden, der 2022 noch keinerlei Berufserfahrung
in der IT hatte, fühlt sich das nach vier Jahren immer noch etwas unwirklich
an. Es hat außerdem die Frage beantwortet, die ich mir beim Wechsel im Juni
2025 gestellt hatte: Der Schritt zur Seite war kein Umweg, sondern der
kürzeste Weg nach vorn.
Hier will ich sein. An einem Projekt arbeiten, das ich selbst geschaffen
habe, mit Technologien, die ich mag, und der Freiheit, es voranzutreiben.
Genau das passiert, wenn man ein echtes Problem löst: Die Organisation merkt
es, und irgendwann wird die eigene Lösung zum eigenen Beruf.